Pflanzenfarben-Meridiantherapie


nach Christel Heidemann: Die therapeutische Wirkung von Pflanzenfarben über die Haut

(Genehmigter Auszug aus den Weleda-Nachrichten Johanni 1992 - Heft 186)


Der nachstehende Artikel von Frau Christel Heidemann ist das Ergebnis jahrzehntelanger Erkenntnisarbeit und experimenteller Forschung über die direkte Einwirkung von Farben auf den menschlichen Organismus, speziell auf die sogenannten Akupunkturmeridiane. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Akupunktur in Mitteleuropa wenig bekannt, stammt sie doch aus den völlig anderen Kulturkreisen Tibets und Chinas. Heute gehört das Wissen ihrer Meridiane in Ländern wie China und Japan zur Grundausbildung eines jeden Arztes. Die Forschungen von Frau Heidemann stellen jedoch eine Weiterentwicklung der dort gelehrten Praktiken dar. Sie wird erst verständlich vor dem Hintergrund der modernen Geisteswissenschaft , der Anthroposophie Rudolf Steiners. Er selbst hat sich noch vor Gründung der medizinisch-anthroposophischen Bewegung z.B. mit der Einwirkung farbiger Lichtquellen auf den menschlichen Organismus beschäftigt. Mit diesen Versuchen, die in den folgenden Jahrzehnten an verschiedenen Orten fortgesetzt wurden, werden die bis in den Lebensorganismus reichenden Wirkungen der Farben vollauf bestätigt. (nach Dr. med Olaf Tietze)


Das Strömende im Menschen: Der Ätherleib


Die alten Eingeweihten hatten, so beschreibt es Rudolf Steiner, besondere Einblicke in das bewegte Strömen des Lebendigen innerhalb des physischen Leibes des Menschen. Dieses für das sinnliche Auge nicht sichtbare Lebendige bildet einen einheitlichen Leib, der in der anthroposophischen Terminologie als Lebens- oder Ätherleib bezeichnet wird. Er bewirkt alle Stoffwechselvorgänge im Körper und verbindet sogleich das Seelisch-Geistige des Menschen mit dem physischen Leib. Der Ätherleib durchströmt die Leiblichkeit auf der rechten und linken Körperhälfte auf zwölf Bahnen, die Hauptmeridiane genannt werden. Bei erhobenen Armen strömt er von den Fingerspitzen zum Kopf, vom Kopf zu den Zehenspitzen, von den Zehenspitzen zur Brust und von der Brust wiederum zu den Fingerspitzen. Von den zwölf Hauptmeridianen zweigen unendlich viele neben- und querverbindende Ströme ab, vergleichbar den grossen Arterien, die sich immer mehr verzweigen und in kleinsten Haargefässen, den Kapillaren, um dann im Venensystem zum Herzen zurückzugelangen.


Die Seele als Krankheitsverursacher


Die Seele ist nach Rudolf Steiners Aussagen der Sitz von Krankheitsprozessen. Gedanken und Gefühle, die über ein gewisses Mass hinausgehen, sind Kräfte, die den Ätherleib schwächen und sein gleichmässiges Strömen behindern und damit krankmachend auf die Stoffwechselprozesse des physischen Leibes wirken. Der Ätherleib als solcher erkrankt nicht primär, es sei denn durch äussere Verletzungen mit Narbenbildungen oder durch Prellungen.


Gesundung für den physischen Leib kann daher nach anthroposophischer Auffassung allein vom Ätherleib ausgehen. Die Ungeordnetheit im Ätherleib muss in ein gleichmässiges Strömen zurückgeführt werden, um die zu tief eingedrungen Einflüsse des seelischen Leibes auszugleichen. Werden die seelischen Probleme nicht gelöst, wird durch die Belastung des Ätherleibs der krankhafte Prozess im Physischen erneut hervorgerufen. Wie kann nun das gleichmässige Strömen des Ätherleibs im Krankheitsfall wieder hergestellt werden?


Harmonisieren der Meridianströme


In der Ruhelage sollte der menschliche Leib gleichmässige Spannungszustände rechts-links, oben-unten und hinten-vorne aufweisen. Jeder Physiotherapeut weiss, wo aus physiologisch-anatomischen Gegebenheiten normalerweise eine hörere oder niedrigere Spannung der Gewebeschichten vorhanden ist. Jedes innere Organ ruft bei einer funktionellen oder organischen Störung Spannungsveränderungen bestimmter Zonen in Haut, Unterhaut und Muskulatur des Körpers hervor. Man nennt sie Organzonen in Bindegewebe und Muskulatur. Der diagnostische Tastbefund gibt dem Therapeuten Auskunft über das ursächliche Störfeld, das nicht immer identisch mit den augenblicklichen Beschwerden sein muss. Ein Beispiel möge das Erläutern: Der diagnostische Tastbefund zeigt eine Magenzone. Der Patient klagt aber nicht so sehr über Magenbeschwerden als über Migräne. Der Magenmeridian beginnt in der Schläfe und endet an der zweiten Zehe des Fusses. Er ist in seinem gleichmässigen Strömen in Unordnung geraten. Durch ätherische Überfülle (oder auch Leere) entsteht Migräne. Der Magenmeridian muss in diesem Fall reguliert werden. Massieren, Streichen oder Stechen (Akupunktur) im Verlauf des Meridians regt das Strömen an, Massnahmen, die gegen die Strömungsrichtung eingesetzt werden, beruhigen sie. Ebenso wirken Zirkelungen im Uhrzeigersinn anregend und Zirkelungen gegen den Uhrzeigersinn beruhigend. Die diagnostische Organzone auf dem Rücken des Patienten regaiert auf jede Massnahme in Sekundenphänomenen, d.h. sie gibt in Sekundenschnelle den Hinweis, welcher Therapieansatz vorgenommen werden muss.


Die diagnostische Tastung wurde an der Freiburger Universitätsklinik für Innere Medizin durch Prof. Dr. med. Kohlrausch, Frau Dr. med. Teirich-Leube und Frau Dicke erarbeitet. Die Chinesen und damit weitgehend alle Akupunkteure richten sich bei ihren therapeutischen Massnahmen nach der Pulskontrolle, da auch das strömende Blut Auskunft über die prozessualen Vorgänge im Ätherleib gibt.


In seinem Vortrag "Die geistigen Hintergründe des Ersten Weltkriegs" vom 14.2.1915 sprach Rudolf Steiner davon, dass der Ätherleib ein wunderbares Gebilde ineinanderflutender und schimmernder Farben sei, und dass die Farben des Ätherleibs den physischen Leib, ja sogar die Organe aufbauen und dann in dem wirken, was während des Lebens von den Organen des physischen Leibes vollzogen wird. Die Hinweise veranlassten mich [Frau Heidemann], zu forschen, ob Farben, die auf die Akupunkturpunkte der Meridiane aufgebracht werden, eine Wirkung haben.


Wirkung von Farben


Das Ergebnis war erstaunlich: Jeder Meridian hat seine Farbe, die ihn aktiviert und stärkt. Die Komplementärfarbe bewirkt das Gegenteil. Zunächst verwendeten wir anlingefärbte Seiden. Die gewünschte Wirkung trat augenblicklich ein, aber nach zwei bis drei Stunden zeigte sich bei empfindlichen Patienten starke Nervosität und Unwohlsein. Daraufhin färbten wir nach Angaben des Pflanzenfarbenlabors am Goeteanum in Dornach/Schweiz Seiden mit Pflanzendrogen ein. Die Wirkung war milder und wohltuender, auch nach längerem Tragen trat keine negative Wirkung auf. Wie fein und exakt der menschliche Körper, d.h. der Ätherleib auf Farben reagiert, ist immer wieder für jeden Therapeuten, der damit umgeht, eine erstaunliche Erfahrung. Ein gelbliches Rot kann nicht durch ein bläuliches Rot und ein bläuliches Grün nicht durch ein gelbliches Grün ersetzt werden. Die Nuance muss stimmen. Der Vorteil dieser Farbtherapie auf Akupunkturpunkten liegt in der Dauerwirkung. Allerdings müssen die Farben täglich einmal, in schweren Krankheitsfällen auch zweimal gewechselt werden. Auch wenn sich ihre Farben nicht geändert haben, geht offenbar ihre Kraft verloren. Die Farben werden in quadratzentimetergrossen Stückchen auf die Akupunkturpunkte nach bestimmten Gesetzmässigkeiten geklebt. Ziel der Behandlung ist die Herstellung des Spannungsgleichgewichts von Bindegewebe und Muskulatur des gesamten Körpers, das zugleich Ausdruck für die Harmonisierung der Ströme des Ätherleibs ist.


Da immer die Gesundung zunächst vom Ätherleib ausgehen muss, ist die Methode bei allen Krankheitsbildern, ganz gleich ob sie schwerer oder leichter Natur sind, lokal auftreteten oder den ganzen Körper erfassen, als die Heilung einleitende unterstützende Massnahmen anwendbar. Die Krankheit entscheidet, wie lange sie durchgeführt wird. Kann der Patient das Spannungsgleichgewicht nach Belastung in Ruhe selbst herstellen, dann ist das Ziel erreicht.


(Text nach Christel Heidemann)